3. Die Kirche auf dem Lernweg zum gerechten Frieden

Auf dem Pilgerweg zu einer Kirche des gerechten Friedens lernen wir durch die gewaltfreie Haltung und Stimme Jesu

Wir befind­en uns mit unserem Pil­ger­weg in einem his­torischen Prozess vom Konzept des gerecht­en Krieges zum Konzept des gerecht­en Friedens. Pil­gern heißt Ler­nen. Dabei machen wir uns den Satz „Wer den Frieden will, bere­ite den Frieden vor“ zu eigen, befra­gen unsere eige­nen Denk- und Sprach­muster und suchen den Dia­log in Kirche und Gesellschaft. Wir stellen uns in die Tra­di­tion des konzil­iaren Prozess­es für Frieden, Gerechtigkeit und Bewahrung der Schöp­fung, der Absage an Geist, Logik und Prax­is der Abschreck­ung, und, stel­lvertre­tend fur die Bre­ite der Tra­di­tion, der Aktion ‚Schw­ert­er zu Pflugschaaren‘.

Wir beziehen uns auf die friedenss­tif­tende und gewalt­freie Hal­tung und Stimme Jesu. So heißt für ihn, dem Übel zu wider­ste­hen und die andere Wange hinzuhal­ten nicht, sich dem Bösen zu unter­w­er­fen oder Bösem mit gle­ichen Mit­teln zu begeg­nen. Stattdessen geht es darum, gewalt­frei und phan­tasievoll Wider­stand zu leis­ten und Frieden zu stiften. Um die Entwick­lung ein­er solchen Hal­tung bit­ten wir im Gebet. Jesus sagte nicht: „Fordert, so werdet ihr es bekom­men“, son­dern, in gewalt­freier Sprache, „bit­tet, so wird euch gegeben“.

Für das Ler­nen auf dem Pil­ger­weg zur Kirche des gerecht­en Friedens set­zen wir uns für gewalt­freie Kom­mu­nika­tion, ein. Aus­gren­zung und Diskri­m­inierung begin­nt oft­mals schon mit der Sprache, welche wir ver­wen­den. Gewalt­freie Kom­mu­nika­tion meint eine zuge­wandte und verbindende Hal­tung und eine acht­same und respek­tvolle Sprache des Lebens. Für einen Dia­log in Kirche und Gesellschaft ste­ht beispiel­haft der kri­tis­che Aus­tausch mit Poli­tik, Polizei und  Bun­deswehr. Hier brin­gen wir ein, dass die Men­schen­würde auch den „Fein­den“ gilt und sie als ein Geschenk für den eige­nen Lern­weg gese­hen wer­den. Um uns als Kirche mit auf den Weg zu machen und diesen zu gestal­ten, braucht es gewalt­freie Kom­mu­nika­tion und Konzepte der Kon­flik­t­bear­beitung auf allen Ebe­nen der Lan­deskirche von der Uni­ver­sität bis hin zu Gemein­dekirchen­räten unter Ein­beziehung vorhan­den­er Entwick­lun­gen und Initiativen.

Kommentare

6 Gedanken zu „3. Die Kirche auf dem Lernweg zum gerechten Frieden“

  1. Die Lage der Welt kann auch einen ganz anderen ver­ant­wor­tungsethis­chen Ansatz erfordern, wie er auch gegen den Nation­al­sozial­is­mus und sein­er Ver­nich­tung­shand­lun­gen gegen so viele Men­schen und Men­schen­grup­pen, vor allem auch gegen jüdis­che Men­schen. Zuweilen erfordert der Umgang beispiel­sweise mit dem friedens- und gerechtigkeit­sz­er­stören­den Anti­semitismus nicht nur diskur­sive oder eduka­tive, son­dern auch eindäm­mende, not­falls repres­sive und auch ahn­dende Ansätze.

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  2. Krieg ist immer Aus­druck von Sünde und men­schlichen Scheit­erns. Doch solange es Kriege gibt, braucht es die Diskus­sion um den Ein­satz von Waf­fen und Gewalt um men­schlich­es Lei­den, Tod und Zer­störung in der Auseinan­der­set­zung zu begrenzen.

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  3. Ich frage mich, ob man nicht zwis­chen der Stimme Jesu und den Stimme der frühen Kirche unter­schei­den muss, damit man Her­aus­forderun­gen wie diese meis­tern kann: “Ihr sollt nicht meinen, dass ich gekom­men bin, Frieden zu brin­gen auf die Erde. Ich bin nicht gekom­men, Frieden zu brin­gen, son­dern das Schw­ert.” Mt 10,34

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  4. Es ist erfreulich, dass auch an Kom­mu­nika­tion und Sprach­muster gedacht wird, z.B. S.7: “befra­gen wir unsere eige­nen Denk-und Sprach­muster”. Mir fehlt aber eine (wenig­stens eine!) ganz klare Posi­tion­ierung zu inklu­siv­en bzw. exk­ludieren­den Prozessen in der EKM unter Anwen­dung eines weit­en Inklu­sions­be­griffs: gerechter Friede heißt auch, dass das AGG (All­ge­meine Gle­ichsstel­lungs­ge­setz) in allen Ebe­nen (auch für Pastor*innen!) ange­wandt wird, dass exk­ludierende, diskri­m­inierende Sprache in unseren Gremien ver­mieden wird (siehe EKD Leitlin­ie https://www.ekd.de/ekd_de/ds_doc/Sie_ist_unser_bester_Mann_Gendergerechte_Sprache_2020.pdf) und Men­schen mit (oft mehreren) Diskri­m­inierungsmerk­malen (Behin­dert sein, Frau Sein, Transper­son sein, homo­sex­uell sein, alt sein, kon­fes­sion­los sein, dick sein…) in unseren direk­ten Arbeits­bezü­gen (und nicht draußen “in der Welt”) wahrgenom­men wer­den und Diskri­m­inierung in unseren eige­nen Rei­hen unter­bun­den wird.

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  5. Vor­sicht vor zu hefti­gen Alter­na­tiv­en: Die Wege der Men­schen sind unter­schiedlich. Kirche soll zeug­nishaft den eige­nen Weg beschreiben, andere Wege aber nicht verdammen.

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