4. Handeln in lokaler und globaler Gerechtigkeit

Die Kirche des gerechten Friedens steht für eine Welt ein, in der alle Menschen auf dieser Erde frei und gleich geboren sind und frei von Furcht und Not ihr Leben gestalten können.

In der Tradition der Ökumenischen Versammlungen für Frieden, Gerechtigkeit und Bewahrung der Schöpfung bekennen wir uns zu den drei vorrangigen Verpflichtungen: Gerechtigkeit für alle Benachteiligten und Unterdrückten zu schaffen, dem Frieden mit gewaltfreien Mitteln zu dienen und Leben auf dieser Erde zu schützen und zu fördern. Als eine Kirche des gerechten Friedens entwickeln wir dieses Engagement weiter.

Wir sind überzeugt davon, dass nur mit Gerechtigkeit zwischen den Menschen und Völkern, d.h. mit einem veränderten Denken und Handeln, mit einer veränderten Lebensweise, mit einem fairen Miteinander ein gedeihlicher Friede möglich ist. Wir gehen davon aus, dass wir Menschen als soziale Wesen das Bedürfnis und die Fähigkeit haben, andere zu verstehen, zu kooperieren und Solidarität zu üben.

Darum weitet sich der Blick auf lokale und globale Zusammenhänge und deren historische Wurzeln. Zur ökonomischen Alphabetisierung unserer Kirche gehört das Wissen über unsere koloniale Vergangenheit und die eigenen imperialen Lebensweisen. Es beschreibt das Spannungsfeld und den Verantwortungshorizont, in dem sich unsere Kirche befindet. Dabei begreifen wir uns als eine Welt, in der Gerechtigkeit und faires Miteinander nicht allein auf nationaler Ebene hergestellt werden kann. Aufgrund unserer Lebensweise in den Ländern des globalen Nordens entstehen Ungerechtigkeiten durch unfairen Handel, die Art und Weise weltweiter Rohstoffgewinnung und Müllentsorgung, Waffenexporte, Landraub, sowie Kosten der eigenen Reisefreiheit und vieles andere mehr.

Mit ungebremstem Wirtschaftswachstum und steigendem Konsum im globalen Norden leben wir über unsere Verhältnisse und auf Kosten der Erde.

Die Konsequenzen sind Armut und Hunger, Klimawandel und Artensterben, eine sich weltweit weiter öffnende Schere zwischen arm und reich, mangelhafte Gesundheitsversorgung und geringere Bildungschancen, Menschenrechtsverletzungen und damit Gewalt und Krieg vor allem im globalen Süden. Hierin sehen wir die Grundursachen für Flucht und Migration und auch deshalb die Notwendigkeit der Solidarität.

Als eine friedensstiftende Kirche sehen wir es als unseren Auftrag, uns gegen ungerechte Strukturen und Unterdrückung zu engagieren. Im Gebet und durch konkretes soziales und politisches Engagement setzen wir uns für einen strukturellen Frieden ein.

Die EKM engagiert sich für den konsequenten Abbau von Rüstungsexporten, für die Unterzeichnung des Atomwaffen-Verbotsvertrages, für Rüstungskonversion und ein allgemeines Abrüsten. Mit den freiwerdenden Mitteln sollen friedliche Konfliktlösungen gefördert werden. In Konfliktsituationen bringt die EKM Alternativen der Gewaltfreiheit ein. Sie bezieht den gerechten Frieden auf Menschen, Pflanzen und Tiere sowie die gesamte Ökosphäre der Erde.

Die EKM setzt sich nach außen dafür ein, dass sowohl auf kommunaler und wirtschaftlicher Seite, auf Landes- und Bundesebene, im europäischen Kontext, als auch im Blickfeld der Vereinten Nationen konsequenter für die Überwindung der globalen Probleme des Klimawandels, der unfairen Weltwirtschaft und der ständig wachsenden Schere zwischen arm und reich gearbeitet wird.

Nach innen engagiert sich die EKM in allen Bereichen und Strukturen für Gewaltfreiheit und spricht vor dem Treffen eigener Entscheidungen mit Betroffenen. In Kirchengemeinden und Kirchenkreisen engagieren wir uns dort, wo Menschen an ungerechten Strukturen und unfairen Bedingungen leiden. Mit unserem Einsatz für Arme, Ausgegrenzte und Entrechtete wollen wir dazu beitragen, die Gerechtigkeit und den Frieden Gottes sichtbar zu machen.

Wir alle sind aufgerufen, unsere Lebensweise in Hinsicht auf Gerechtigkeit zu überprüfen und zu ändern. Dazu gehört die deutliche Reduktion von CO2-Emissionen durch die Nutzung von Strom, Heizung und Mobilität. Bei Einkäufen ist auf faire und nachhaltige Produktion sowie fairen Handel zu achten. Geldanlagen sollten nur bei Banken erfolgen, die nicht in Rüstung, Bau von Atomkraftwerken und Atomwaffen investieren. Bei der Ernährung werden Produkte aus ökologischem Anbau sowie aus regionaler und saisonaler Herkunft bevorzugt beachtet und der Fleischkonsum deutlich vermindert. Den kirchlichen Institutionen und den Gemeinden wird vorgeschlagen, jeweils mindestens zwei der genannten Maßnahmen auszuwählen und einen überschaubaren Zeitraum lang einzuhalten, dann zu überprüfen und bei Erfolg weiter auszubauen. Eine Orientierung für die Auswertung gibt der ökologische Fußabdruck.

Dabei unterstützt die EKM die Initiativen und Einrichtungen der Bewegung für Frieden, Gerechtigkeit und Bewahrung der Schöpfung auf ihrem Gebiet.

Es ist eine Grundaufgabe der Kirche, das Gespräch zwischen verschiedenen Gruppen und Positionen zu ermöglichen.

Darum unterstützt die EKM ‚runde Tische‘ für das breite Gespräch zu Lebensweisen, Denken und Handeln zwischen Bürgergesellschaft, Regierenden, Initiativen und Gruppen einschließlich Diakonie und Brot für die Welt, Wirtschaft und Bundeswehr sowie der Kirchen zu lokalen und globalen Zusammenhängen und Handlungsoptionen. Die Perspektive der Vereinten Nationen ist dabei ebenso im Blick wie die Beachtung der Bedürfnisse der Menschen vor Ort.

Die EKM fördert den achtsamen interkulturellen und interreligiösen Dialog in Kirche und Gesellschaft. Sie fördert eine Entwicklung des Lebens in Fülle mit einer mitfühlenden und widerständigen Spiritualität, die die Grenzen des äußeren Wachstums und die Möglichkeiten des inneren Wachsens integrieren kann.

Kommentare

9 Gedanken zu „4. Handeln in lokaler und globaler Gerechtigkeit“

  1. Auf dem Weg zu einer Kirche des Gerechten Friedens muss eine Barmherzigkeit und Solidarität entwickelt werden, aus der praktische Hilfe für diejenigen erwächst, welche an den Rand gedrängt sind. Dies gilt hier bei uns, wie auch im globalen Süden.

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  2. In der Passage über Rüstungsexporten geraten scheinbar die Adressaten durcheinander. Deutschland verdient an Waffenexporten. Hier werden keine Mittel frei.

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  3. Kirche hat eine friedensstiftende Aufgabe auch darin, dass sie – bis an die Grenze des Ertragbaren – Brücken bauen und gesellschaftliche Gruppen zusammenhalten muss. Praktisch heißt das, das unter dem Dach der Kirche Platz für viele, auch sich widersprechende Ansätze sein muss, solange diese sich noch aus der Friedensbotschaft Christi ableiten lassen.

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  4. „Sie fördert eine Entwicklung des Lebens in Fülle mit einer mitfühlenden und widerständigen Spiritualität, die die Grenzen des äußeren Wachstums und die Möglichkeiten des inneren Wachsens integrieren kann.“ Diese Formulierung des Anliegens verdeckt mehr als sie klärt: Was „Leben in Fülle“, „widerständige Spiritualität“ oder „Möglichkeiten des inneren Wachsens“ bedeuten soll, wird scheinbar als allgmein bekannt vorausgesetzt. Das ist es aber nicht.

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  5. Diesem Abschnitt würde m.E. ein Wort über „Selbstbegrenzung“ und ein Verweis auf die 17 Ziele der Vereinten Nationen zu Nachhaltigkeit gut tun. Wir würden mit diesem Paper Teil eines größeren Netzwerkes werden.

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  6. Auf dieser Seite (unter Punkt 4) schlägt dieses Papier meines Erachtens am nächsten am Puls der Zeit, wird konkreter und aktuell. Hier findet die Verknüpfung zwischen den drei Themen des konziliaren Prozesses statt: Gerechtigkeit, Frieden und Bewahrung der Schöpfung. Ich frage mich, warum man in der aktuellen Situation aus dieser Trias gerade den „Frieden“ so stark heraushebt und nicht die „Bewahrung der Schöpfung“? Angesichts der Bewegung von Fridays for future und den immer drängenderen Fragen, ob wir die Klimaziele erreichen und den schon angesprochenen Nachhaltigkeitszielen der UNO hätte ich diesem Papier eher den Titel „Kirche auf dem Weg zur Nachhaltigkeit“ gegeben. Das Zusammendenken von Gerechtigkeit, Frieden und Bewahrung der Schöpfung finde ich gut. Die Betonung auf Frieden einseitig und ohne aktuellen Anlass. Das wird es schwierig machen, das Thema breit zu verankern, wenn andere Themen obenauf liegen.

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